Kantonaler Finanzausgleich und Wähleranteile

Nachdem nun neuerdings auch gewisse FDP-Exponenten dazu übergegangen sind, Gemeinden für „falsche“ politische Entscheidungen über den kantonalen Finanzausgleich bestrafen zu wollen (NZZ), wollte ich mir mal anschauen, welche Gemeinden wieviel aus dem Topf des Finanzausgleichs bekommen und wen diese Gemeinden eigentlich wählen.

Dazu habe ich die Resultate der letzten Kantonsratswahlen 2015 (Statistisches Amt), sowie die Daten des Finanzausgleichs des gleichen Jahres (Statistisches Amt) verwendet. Es wurden die Wähleranteile jeder Gemeinde für die 5 grössten Parteien (SVP, SP, FDP, GLP und GP) gegen die netto pro-Kopf-Zuschüsse aus dem Finanzausgleich aufgezeichnet – inklusive Zentrumslastenausgleich. Die Grösse der Punkte gibt jeweils die Einwohnerzahl an. Zur Auswertung wurde eine Regressionsgerade in die Daten gelegt und ihre Steigung sowie ihr Bestimmtheitsmass berechnet.

 

 

Partei

Steigung [Prozentpunkte / Fr. 1000.-]

Relative Steigung [Prozent / Fr. 1000.-] Bestimmtheitsmass R2 Signifikanz p
SVP 2.32 7.73 0.165 < 1e-5
SP 0.138 0.70 0.002 0.57
FDP -3.57 -20.58 0.553 < 1e-5
GLP -0.31 -4.02 0.033 0.02
GP 0.27 3.70 0.026 0.04

 

Auffällig ist in dieser Auswertung vor allem eine Partei: die FDP. Fast alle Gemeinden kommen auf einer Geraden zu liegen. Diese besagt, dass je höher die Zuschüsse aus dem Finanzausgleich sind, desto tiefer der Wähleranteil der FDP. Mit Hilfe dieser Aussage, lässt sich über 50% der Wählervarianz der FDP erklären. Dieser Zusammenhang muss nicht kausal sein, ist aber hochgradig signifikant, die Wahrscheinlichkeit, dass dies aus Zufall passiert, liegt bei 1 in 100‘000. Pro Fr. 1000.- Zuschuss verliert die FDP rund 3.6 Prozentpunkte oder über 20% ihrer Wähler. Umgekehrt gewinnt sie 20% pro Fr. 1000.- in den Gebergemeinden.

In die Gegenrichtung geht der Trend bei der SVP, wobei es hier zumindest zwei grössere Ausreisser gibt mit den beiden Städten Zürich und Winterthur. Das Bestimmtheitsmass ist entsprechend kleiner und „nur“ gut 16% der Varianz lassen sich über den Finanzausgleich erklären. Aber auch hier ist der Trend gleichermassen signifikant: pro Fr. 1000.- Zuschuss gewinnt die SVP rund 2.3 Prozentpunkte, oder knapp 8% ihrer Wähler.

Klar schwächer, aber immer noch signifikant sind die gegenläufigen Trends bei GLP und GP, welche je rund 4% ihrer Wähler gewinnen oder verlieren pro Fr. 1000.- zusätzlichem Zuschuss. Hier zeigt sich, dass Grüne Anliegen nicht unbedingt an den Geldbeutel gebunden sein müssen, die Ausprägung jedoch schon.

Zu guter Letzt zeigt sich die SP als Mittepartei. Die Stärke ihrer Wählerbasis ist - zumindest in einer linearen Regression – unabhängig davon, wieviel eine Gemeinde aus dem Finanzausgleich bezieht oder einbezahlt. Wenn es denn hier eine (nichtlineare) Tendenz gibt, so ist dies – ohne Berechnung – dass die mittelständischen Gemeinden, welche um den Kantonsschnitt von Fr. 333.- pro Kopf liegen, am stärksten SP wählen.

 

Glossar

Bestimmtheitsmass R2: Gibt an, wie viel der Varianz sich mit Hilfe der anderen Grössen erklären lässt.
0: nicht lässt sich dadurch erklären
1: alles lässt sich dadurch erklären
Signifikanz p: Gibt an, wie wahrscheinlich es ist, dass eine solche Verteilung durch Zufall entsteht. In den Naturwissenschaften gilt je nach Gebiet ein Wert von 0.05 oder tiefer als signifikant.
0: kann durch Zufall nicht entstehen
1: wird durch Zufall immer entstehen
Varianz σ2: Gibt an, wie stark die einzelnen Werte vom Mittelwert abweichen.

 

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