Beobachtung zum ersten August

Manche Dinge bemerkt man erst nach Jahren. So auch dies:

In meiner Kindheit, da war der 1. August so eine Sache: in jedem Geranientopf steckte ein kleines Fähnchen mit dem Schweizerkreuz oder in den Kantonsfarben, pro Haus hing eine grössere Schweizerfahne unterm Fenster und auf den Veranden und Balkonen hingen Lampions. Und in den Häusern, bei welchen es nicht so war, da wohnten die Landesverräter (in der Erinnerung vielleicht leicht verzerrt, aber im Prinzip korrekt).

Gestern jedoch bemerkte ich, dass in Zürich keine Fahne und kein Lampion weit und breit zu sehen war. Na gut, ich wohne ja seit bald 2 Dekaden in der Stadt, dachte ich mir, und ich erinnerte mich nicht daran, wirklich je etwas gesehen zu haben. Vermutlich handelt es sich halt um so ein Landding.

Und der Zufall wollte es, dass ich mich gestern auf den Weg auf Land machte. Und da bemerkte ich es: keine Fahnen und keine Lampions, auch auf dem Land. Stattdessen auch hier: Shopping im nahen Ausland und Grillabende. Und da wurde mir bewusst: die ersten 8 Jahre meiner Kinheit hatte ich ja in Städten verbracht, und da war es genauso dekoriert wie später auf dem Land.

Was war geschehen? Wo lag der Unterschied? Früher, in meiner Kindheit, war der 1. August ein Arbeitstag (mit Ausnahme einzelner Kantone). Erst 1994 wurde er zum ersten und bisher einzigen Feiertag auf Bundesebene erhoben. Theoretisch ein Beschluss, welcher die Bedeutung des Tages hätte steigern sollen, sie fördern sollen.

Doch eingetreten ist das Gegenteil. Durch die Aufwertung zum gesetzlichen Feiertag, wurde aus einem speziellen Tag – man ging tagsüber arbeiten und feierte abends dann noch mit allen im ganzen Land – wurde ein Feiertag, wie es sie im Jahre bereits im Duzend gibt, und von denen die Mehrheit für einen Grossteil der Bevölkerung keinen anderen Charakter hat als den eines arbeitsfreien Tages.

Wäre es ohne die Aufwertung genau gleich gekommen? Ich weiss es nicht. Für mich selbst jedoch ist es eine Erinnerung daran, vorsichtig zu sein, was man sich wünscht. Es könnte den gegenteiligen Effekt haben.

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